Bücherwelten


Romys Nacht- und Tag-Buch 146

Bücher eröffnen mir einen immer wieder neuen Zugang zur Welt. Schon immer haben sie in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt. Würde ich all die Bücher, die ich je gelesen habe, in Regale einsortieren, wären nicht nur die Wände meines Hauses gefüllt, sondern vermutlich auch die einiger Nachbarhäuser.
Inzwischen besorge ich sie mir meistens als E-Book. In meinem Schlafzimmer gibt es eine Bücherwand – wenn ich neue Bücher kaufe, müssen alte gehen – mehr darf es nicht werden.

Sonntag, 16. November

Ich treffe mich mit meinen zwei Schreibkolleginnen auf der Buch Wien, und wie immer, wenn wir drei aufeinandertreffen, beginnt ein reger Austausch: darüber, wie es uns beim Schreiben geht, wie sich unsere Projekte vorwärts entwickeln, was uns hemmt, bisweilen blockiert, über Erfolge, Pläne und das, was uns freut. Zwischen uns sprudelt ein reicher Quell. Wir haben eine sehr unterschiedliche Art, die Dinge anzugehen, und genau das macht unsere Treffen so wertvoll.

Montag, 17. November

In der Früh schreiben, lesen und ein langsames in den Tag hineingleiten. Sonntagsfrühstücken – und dann hinaus in ein drittes Buch Wien Abenteuer. Warten auf den Eintritt in langer Menschenschlange. Später sitzen und horchen, einer Lesung, einem Gespräch. Bücherwelten durchqueren. Büchermenschen überall. Am Nachmittag dunkelgrüne Kiefern und ein wiesengrüner Prater. Sonnenglanz und Kopfauslüften.

Dienstag, 18. November

Ein feines Treffen mit vier alt-Bekannten, schon-lange-nicht-mehr-Gesehenen … Wir feiern, das Wiedersehen und unser Zusammensein bei Frankfurter und Bier.
Vorher – Backstage im Radiokulturhaus: Johannes Kaup im Gespräch mit dem Trauerredner Hannes Benedetto Pircher, reden über den Tod, die Trauer und das Leben danach. Was macht ein gutes Leben aus? Was brauchen Trauernde? Heißt sterben lernen, leben lernen?

Mittwoch, 19. November

Es gibt Tage, so düster, dass ich beinahe vergesse, dass es eine Sonne gibt. Wenn sie dann am nächsten Tag ihren hellen Glanz wieder auferstehen lässt, beginnt ein Räkeln und Strecken. Mutig geworden hat die kleingewachsene Chrysantheme in meinem Vorgarten eine erste Blütenknospe geöffnet. Um mich herum ein großes Aufatmen. Ich stehe am Bahnhof und warte auf den Zug, über mir blaue Ewigkeit und eine Sonne, die Zuverlässigkeit verspricht.

Donnerstag, 20. November

Am Abend hole ich mir die letzten Granatäpfel aus dem Vorgarten. In der Nacht ist Frost angesagt. Wie Weihnachtskugeln hängen sie im nackten Strauch, dickschwere Früchte an zarten Ästchen. Es ist bereits dunkel. Meine Augen passen sich schnell an. Mit meinem roten Küchenmesser schneide ich den Ast nah bei der Frucht durch. Dort ist eine weiche Stelle. Ich hinterlasse eine farblose Leere im Strauch, die erst im Frühjahr von den zart keimenden rötlichen Blättchen erlöst werden wird.


Freitag, 21. November

Manchmal zieht eine Woche so schnell vorbei, dass ich es kaum mitbekomme. Was? Freitag? Schon?
Gerade wenn ich viel lese, mich durch Geschichten bewege, verliere ich bisweilen ein wenig den Bezug zum Alltag. Mein Tagebuch hilft mir, orientiert zu bleiben – wieder im eigenen Leben zu landen und Momente, Gedanken in ihrer Eigenart zu würdigen.


Samstag, 22. November

Von Dienstag bis Freitag treffe ich mich jeweils um acht Uhr morgens mit zwanzig bis dreißig Schreibenden der Textmanufaktur zu einer gemeinsamen einstündigen Schreibzeit auf Zoom. Anschließend besteht für fünf bis zehn Minuten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen. Immer wieder erstaunt mich, wie inspirierend ein so kurzer Austausch sein kann. Oft schreibe ich nach dem Treffen noch ein wenig weiter und freue mich darüber, wieder ein Stück vorangekommen zu sein.


6 Kommentare

  1. Liebe Romy, vielen Dank für deine Nacht- und Tag-Gedanken. Freue mich immer, wenn ich dich beim Schreiben am Morgen sehe. Wünsche dir ein schönes Wochenende und eine schöne nächste Woche. LG eva

  2. Liebe Romy,

    danke für deine Texte. Sie wirken als Entschleunigung in einer schnelllebigen Zeit und ermuntern mich zu mehr Achtsamkeit im Alltag.
    Dir wünsche ich weiterhin Momente zum Innehalten und zum (Weiter)Schreiben.
    Liebe Grüße, Cornelia

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