Romys Nacht- und Tag-Buch 135
Auf dem Balkon sitzen, in den Himmel schauen und sinnieren. Auch von oben hat Berlin viel zu bieten. Unten quirliges Leben und über mir eine unendliche Weite.
Sonntag, 31. August
Im Moment, wo alle Umsteigehürden geschafft sind und ich mit dem Zug durch durchs tschechische Flachland brause, fällt die Spannung von mir ab. Kurz nach Breclav, unerwartet und plötzlich ist es da, das Glück des Unterwegsseins. – Die ersten Städte tauchen auf. Oben auf den Hügeln, dort wo in den meisten den umliegenden Ländern die Villen der Reichen wachsen, stehen Plattenbauten. Hier gibt es Raum für alle. Das ist einer der Gründe, die mir dieses Land so sympathisch machen.
Montag, 1. September
Der kleine Tisch auf dem Balkon von Nadjas und Kerstins Wohnung ist gut bestückt. Beim Frühstück zu dritt geht es lebhaft zu. Letzte Tipps und Fragen vor der Wohnungsübergabe und Organisation der Dinge, die für den Zelturlaub mitgenommen werden wollen. Am späten Vormittag machen sich die Beiden auf den Weg. Für mich ist es der dritte Besuch in meiner Berliner Dependance. Es ist wie ein Zurückkehren nach Hause. Ich freue mich schon sehr auf die zwei Wochen am Prenzlauer Berg.

Dienstag, 2. September
Am Abend beobachte ich das langsame Dunkelwerden des Himmels über Berlin. Auch die drei Blüten in der Blumenkiste am Balkon staunen in den Kosmos. Unten sind wir verbunden mit der brausenden Stadt und über uns entfaltet sich der unendliche Raum. Aus den Fenstern der Stadtbauten leuchtet ab und zu ein Licht zu uns herüber. Die Drei in den Kisten beherbergen eine unbändige Kraft. Wenn der Wind geht, zeigen sie ihre Zartheit. „Kosmea heißen sie“, hab ich der Kerstin gesagt. „Das hab ich nicht gewusst“, antwortete sie.

Mittwoch, 3. September
Ich gönne mir eine Tüte mit einer Kugel aus der Hokey Pokey Eispatisserie. Die Wahl ist nicht leicht, zweiundzwanzig Sorten gibt es und viele klingen für mich verheißungsvoll. Ich entscheide mich für Pflaume Butterkaramell mit Zimtcookies. Zum Genießen und Schauen setze ich mich auf eine Bank am Gehsteigrand. Rund um mich abendliches Flanieren übers Kopfsteinpflaster und glückliche Kindergesichter einen Becher mit Eisberg balancierend.
Donnerstag, 4. September
Die Bremsen an Kerstins Rad reagieren kaum. Auch wenn ich mit voller Kraft anziehe, rollt das Rad weiter und kommt nur langsam zum Stehen. In dieser quirligen Stadtumgebung kann das verhängnisvoll sein. Ohne schnelles Reagieren wird es gefährlich. Also pilgere ich zum Fahrradgeschäft an der Kopenhagenerstraße und lasse dort neue Bremsklötze montieren. Nach einer Stunde hole ich das Rad. „Ich habe noch die Reifen aufgepumpt“, sagt der Mechaniker. Auch die Kette wurde frisch geschmiert. Sie läuft leichter jetzt.

Freitag, 5. September
Unterwegs mit dem Fahrrad im Mauerpark. Ich suche einen schattigen Platz mit Tisch und Bank zum Schreiben. Die Schattenplätze sind nicht rar. Aber wo gibt es einen Tisch mit Bank? Am Kinderspielplatz werde ich fündig. Nebenan wird der Rasen gemäht. Rund um mich eifriges Kindergeschrei. Ruhe gibt es hier keine. Doch schon bald höre ich nichts mehr. Ich bin in meine Erinnerungen abgetaucht. Das Schreiben versetzt mich in andere Sphären.
Samstag, 6. September
Am frühen Morgen fliegen die Vögel nach Norden. Ich sitze am Balkon. Vor mir der erste Kaffee. Von unten tosendes Verkehrsrauschen. Jetzt dringt ein Krächzen durch den Lärm. Also Krähen! Immer wieder ziehen sie in kleinen Gruppen vorbei. Am Abend geht es in die andere Richtung. Das habe ich gestern beobachtet. Was tun sie tagsüber im Norden? Was bewegt sie, dort hinzufliegen?
Wie wunderbar, wieder mit dir reisen und träumen zu können, liebe Romy! .. Ich sitze geheim am Tandem🚲🚲😘.. und schummle mich als die Vierte dazu🌸..😉
Hab eine wunder-volle Zeit!!💖
Schön, dass du dabei bist, liebe Sabine und fein von dir zu hören.