Den Sommer genießen

Romys Nacht- und Tag-Buch 132

Drei verschiedene Orte innerhalb einer Woche, … nach der langen Zeit der Bewegungslosigkeit genieße ich das Unterwegssein in vollen Zügen.


Sonntag, 10. August

Am Nachmittag verdüstert sich der Himmel. Von der Ferne Donnergrollen. Dann fallen die ersten Regentropfen in die heiße Luft dieses Sonntagnachmittags. Unerwartet. Die Wetterapps prognostizierten ungetrübten Sonnenschein. Auf den Wiesen der Umgebung liegt das frisch geschnittene Gras. Durch die brennende Hitze war es schon gut angetrocknet. Und jetzt das. – Von den Bauern ist Geduld und Flexibilität gefordert. Es muss wieder genügend trocknen, bevor das Heu zu Rundballen gepresst werden kann. Auf der Terrasse genießen wir einen Apfelstreuselkuchen mit Vanilleeis und beobachten den Wettertanz.

Montag, 11. August

Ich schneide die zweite Hälfte des Riesenkohlrabis aus Theresias Garten in würfelige Stücke. Aus den Zwetschken und den Gravensteiner Äpfeln wird ein Kompott für die Nachspeise. Erst den Zucker karamellisieren, Früchte und Zimt dazu, ein wenig Wasser und dann köcheln lassen. Theresia kümmert sich um Erdäpfel, Salat und das Braten vom Schaffleischkäse. Dazwischen plaudern oder auch schweigen. Dieses gemeinsame Kochen erweckt in mir das Gefühl einer urigen Zufriedenheit.

Dienstag,12. August

Wir verstauen meinen rosaroten Koffer. Dann geht’s mit dem Auto südwärts. Der Sohn des Hauses fährt mit seiner Freundin nach Kärnten und so hat sich für mich eine optimale Mitfahrmöglichkeit aufgetan. In Villach bleiben mir zwei Stunden bis zum Treffen mit meinen Schreibkolleginnen. Ich verstaue mein Gepäck in einem Schließfach. Dann, – Stadtbummeln. Die Hitze brennt schon vormittags. Ein Kaffeehaus an der Drau. Sitzen im Schirm-Schatten. Ich genieße den Rummel um mich herum und komme ins Gespräch mit einer hier Aufgewachsenen und jetzt zurückkehrenden. Sie hat sich einen kleinen Alterswohnsitz in der Stadt erworben. „Nirgends sind die Menschen so lustig und freundlich wie in Kärnten“, erklärt sie mit Nachdruck.

Mittwoch, 13. August

Auf dem Weg zur Gerlitzen machen wir Halt an einem kleinen See. Das Wasser hat eine Temperatur, bei der das Hineingehen keine Überwindung kostet. Die Füße am kiesig weichen Grund gehe ich schrittweise ins Tiefere und genieße das erfrischende Element. Dann lasse ich mich auf dem Rücken treiben. Die Arme entspannen sich. Blauer Himmel, blauer See, seitwärts, aus dem Augenwinkel, ein grünes, frisch knospendes Seerosenfeld.

Donnerstag, 14. August

Frühes Aufwachen. Die ersten Sonnenstrahlen färben den Horizont rötlich. Im Haus hoch oben am Berg ist es noch dunkel. Ich setze mich ins Bett und schreibe weiter. Gestern ein feiner Austausch mit meinen Schreibkolleginnen. Ihre Kritik an meinem Text ist bei mir auf offene Ohren gestoßen. Sie halten mir einen Spiegel vor und ich kann leichter wahrnehmen, wo Schwächen sind, wo es noch etwas braucht oder wo etwas zu viel ist. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen unserer Unterschiedlichkeit harmonieren wir. Das Zusammensein und miteinander weiterschreiben bringt mich bei jedem unserer Treffen ein Stück weiter.

Freitag, 15. August

Wandern über sonnenheiße Almwiesen und baumbeschattete Wege. Wie kann uns das Dranbleiben an unseren Schreibprojekten gelingen? Gehen und Reden. Wir kennen einander immer besser. Das macht vieles leichter. Oben in der Hütte gibt es Kärntner Suppe mit einem Reindling, Kasnudeln mit Salat und für mich einen fein angemachten Rindfleischsalat. Beim ausgiebigen Wandern und Diskutieren sind wir drei ziemlich hungrig geworden. Rund um uns Berge und Kuhglockengeläut.

Samstag, 16. August

Wieder zu Hause. Beim Ankommen ist es schon dunkel. Kerstin hat mir im Kühlschrank einen Zweigelt vom Hirschbüchler übrig gelassen. Ob sie wohl auch schon zurück ist, in ihrer Wohnung am Prenzlauerberg? Sie hat ihre Rückreise im Flixbus gebucht Ich genehmige mir einen Willkommenstrunk, sitze am Tisch und schaue in die schwarze Nacht. Der Tag war bunt und lang. Ich habe fünfeinhalb Stunden im Zug gesessen. Wie Schemen wirken die Bilder nach, ziehen an mir vorüber. Berge, Seen und vom Schienenstrang geteilte Wälder.

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