12 von 12 im Mai 2022 – Momente aus meinem Alltag

Regisseurin des eigenen Lebens sein

Es hat mir gutgetan, diesen 12. Mai zu dokumentieren. Mir ist dabei bewusst geworden, dass ich die Regisseurin meines eigenen Lebens bin und dass ich es in der Hand habe, wie ich meine Tage gestalten möchte.
Eigentlich gibt es nur den einen Moment und der ist genau JETZT. Es ist schade um jeden Moment, den wir nicht genießen.
Es ist eine schöne, alte Blogger:innen Tradition, den 12. eines Monats in 12 Bildern zu dokumentieren. Sie wurde ins Leben gerufen von Chad Darnell und lebt weiter durch den Blog von Caroline Götze. Heuer habe ich mir vorgenommen, möglichst jeden Monat dabei zu sein.

Im Mai ist das ein Pusteblumenglück, Philosophieren am frühen Morgen, wunderbar stärkender Kräutertank, die Begegnung mit meiner Ringelnatter und die Sichtweise der Goldfische …

Kaltauszug mit Kräutern aus dem Garten
Gleich nach dem Aufstehen barfuß durch die Wiese stapfen, um Kräuter für mein Kraftelixier zu sammeln, Minze, Zitronenmelisse, Salbei und Gundelrebe. Dazu kommt Ingwer, Honig, Apfelessig und kaltes Wasser, stehen lassen, mit Mineralwasser aufspritzen und fertig ist der Wundertrank.
Jetzt scheint die Sonne schon frühmorgens direkt auf die Terrasse. Ich habe einen „Strubel“ (schweizerdeutscher liebevoll gemeinter Ausdruck für unordentliche Frisur). Morgen Vormittag besucht mich meine Tochter Nina mit ihrer tollen, neuen Friseurschere. Dann werden wir meinem wilden Zopf zu Leibe rücken.

Mein Schatten fasziniert mich.
Schatten ist in den mythologischen Vorstellungen vieler Kulturen ein Begriff für das Spiegelbild der Seele, für das „zweite Ich“ des Menschen, für dessen Doppelgänger oder Ebenbild, das meist in einem jenseitigen „Reich der Schatten“ angesiedelt und mit Dunkelheit, Nacht und Tod assoziiert wird. Der sichtbare Schatten gilt nach dem Volksglauben häufig als lebenswichtiger Bestandteil, der zum Wesen eines Menschen gehört und ihm aufgrund seiner Beweglichkeit nachfolgt und ihm vergleichbar mit dem ausströmenden Atem körperlich anhaftet, lese ich in Wikipedia. Platons Höhlengleichnis fällt mir ein.
Spannende Themen bewegen mein Denken schon am frühen Morgen …
Blauer Morgen Cyanotypie
Diese Cyanotypie habe ich vor zwei Wochen beim Waldpurgisfest der Weinviertler Kräuterakademie gemacht. Mich hat das zielstrebige Wachsen des Efeus fasziniert. Heute Morgen teile ich dieses bewegte Bild mit meiner Community auf Facebook und Instagram. Das Finden eines passenden Titels fällt mir schwer. Das Erste, was mir einfällt, ist Streben … das passt aber gerade nicht so gut zu meiner Gemütsverfassung. Weitere Ideen sind, Drang, Trachten, Trieb, Entschlossenheit, Enthusiasmus, Ambition, Regsamkeit, Sehnsucht, Weiterforschen … irgendwie will das alles nicht so gut passen. Plötzlich ein Gedankenblitz: BLAUER MORGEN,
genau … das ist es, das passt.
Der Blumenwerfer, Cyanotypie
In meinem Wohnatelier schaut es chaotisch aus. Von der Ausstellung im Schloss Wolkersdorf am letzten Wochenende steht noch alles kreuz und quer und will zurück sortiert werden. Damit verbringe ich den ganzen Vormittag. Vieles bringe ich auf den Dachboden. Dort wartet die nächste Baustelle auf mich, die geordnet werden will.
Vom Blumenwerfer habe ich drei Bilder verkauft. Ich habe diese Cyanotypien im Februar, kurz nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine gemacht. Ich liebe es, Banksy Bilder mit Cyanotypien zu interpretieren. Die Gänseblümchen eignen sich wunderbar dazu. Jeder Strauß ist anders und jedes Bild ist ein Unikat. Ich freue mich immer sehr, wenn meine Bilder sich auf die Reise machen und einen neuen Ort besiedeln.
Am Vormittag meldet sich eine weitere Kundin bei mir. Am Montag habe ich die bisher größte meiner Cyanotypien, den WiesenBlick in ihrer Physio- und Kraniosakral Praxis probegehängt.
Sie hat sich entschlossen und kauft das Bild. Ich freue mich sehr. Es passt dort wunderbar hin und kann durch seine heilsame Kraft wirken. Damit habe ich insgesamt sechs Bilder verkauft und bin zufrieden.

Wohnatelier von Romy Pfyl
So, in meinem Wohnatelier kann ich mich jetzt wieder wohlfühlen. Es braucht einfach eine gewisse Grundordnung. Die Wand über meinem Arbeitstisch ist wieder neu gestaltet. Durch die Verkäufe verändert sie sich beständig. Die noch nicht abgeholten Bilder habe ich fertig gemacht und verpackt. Jetzt gibt es wieder Platz in meinem Kopf und in meinem Herz für neue Bilder. Bis zu den Tagen der offenen Ateliers am 15. und 16. Oktober möchte ich alles wieder frisch hängen und den Sommer für neue Arbeiten nutzen. Ich freue mich darauf.
Nach diesem arbeitsintensiven Vormittag habe ich mir ein feines Mittagessen verdient. Die Zutaten für den Salat stammen alle aus dem eigenen Garten und sind frisch gepflückt. Was für ein Luxus. Ich bin glücklich darüber, einen eigenen Garten zu haben. In meinen Salat kommen Radieschen, Winterpostelein, Rucola, Kresse und Romana Salat.
Romy Pfyl in der  Hängematte
Mittagspause in der Hängematte mit KunstStoff, dem zum 25. Jubiläum neu gestalteten Magazin der Kulturvernetzung Niederösterreich. In der Mitte alle Mitglieder nach Viertel geordnet. Irgendwo im Weinviertel winzig klein mein Name unter hunderten von anderen Künstler*innen. Es ist ein gutes Gefühl, dazuzugehören und öffnet viele Möglichkeiten für einen produktiven Austausch.
Romy Pfyl Pusteblumen in Keramikgefäß
Mein Sohn Kaj feiert heute seine 41. Geburtstag. Bis jetzt habe ich ihn telefonisch noch nicht erreichen können. So habe ich mich entschieden, für ihn eine Blumengestaltung zu machen und das Foto zu schicken.
Mich lachen die Pusteblumen an. Mit ihnen zu gestalten, bietet spezielle Herausforderungen.
Ein kleines Geheimnis verrate ich dir … es heißt Haarspray.

Das wunderschöne Gefäß hat mir in Japan eine Ikebanakünstlerin geschenkt. Sie hatte mich eingeladen und ich war gespannt zu sehen wie sie arbeitet. In ihren Arbeitsräumen hatte sie eine große Auswahl von Blumen und Gefäßen hergerichtet. Sie zeigte hin auf diese Pracht und sagte nur ein Wort: お願い (dozo/ bitte). Dann schaute sie mir zwei Stunden beim Arbeiten zu und sagte nichts mehr. Zum Schluss meinte sie, dass sie eine große Ähnlichkeit in der Vorgehensweise und in meinen Arbeiten sehe.
Sie ist wieder da! Gerade habe ich gesehen, wie sie über meinen kleinen Teich schlängelt. Fotografisch habe ich sie leider verpasst, meine Ringelnatter.
Die drei Goldfische haben sich vorsichtshalber in die Tiefe verzogen. Sonst sonnen sie sich gerne an der Oberfläche. Ich finde sie und ihre zarten Bewegungen wunderschön. Der größte Fisch heißt Nemo und war ursprünglich schwarz. Letztes Jahr war er nach dem langen Winter aus der Tiefe des Teiches plötzlich mit einem satten Orange zurück. Sissy ist weiß und golden gefleckt. Sie hat ein blaues und ein braunes Auge. Ja und mein kleinster Goldfisch, den ich erst seit dem letzten Sommer habe, irgendwie ist mir sein Name abhandengekommen und will mir einfach nicht mehr einfallen. Meine Enkelin Lia ist darüber hell entsetzt: „Omama, wie kannst du den Namen eines Haustieres vergessen?“
Ich weiß nur noch, dass der Name sehr gut zu diesem Fischlein gepasst hat. Wenn er nicht mehr in meinen Kopf zurückkommt, muss ich mir wohl eine neuen einfallen lassen.
Wespe trinkt im Teich
Die Ringelnatter habe ich zwar fotografisch nicht erwischt, dafür aber diese Wespe. Die Wespen, viele Insekten und auch Vögel benutzen den Teich zum Trinken. Es ist unglaublich, wie viele Tiere so ein kleiner Teich anzieht. Wunderschöne Libellen, Wasserschnecken, Kröten, Frösche, Wasserläufer. Hier herrscht das pure Leben.
Teich von Romy Pfyl
Ich liebe es, den Tag am Teich sitzend zu beenden. Wenn die Goldfische mich neugierig betrachten, sehen sie mich vielleicht aus dieser Perspektive. Es heißt, Goldfische können viel besser sehen als wir Menschen. Ich würde mich gerne mal mit Goldfischaugen sehen.


8 Kommentare

  1. Es ist so schön, dich durch deinen Tag zu begleiten, liebe Romy. Ich lerne dich und deine Umgebung immer besser kennen. Du hast so eine berührende, sanfte Art, deine Umgebung zu beschreiben, ich fühle mich gleich wie zu Hause bei dir. Es freut mich sehr, dass deine Nachbarin die große Cyanotypie für ihre Praxis gekauft hat. Herzlichen Glückwunsch! Da war deine Ausstellung doch ein voller Erfolg! Darauf kannst du stolz sein.
    Alles Liebe
    Kerstin

  2. Liebe Romy, ich bin so berührt von deinen Gedanken, deinen Fotos, deiner Kunst, deinem Leben!
    Es ist großartig, dass du so viel mit anderen Menschen teilst. Meine guten Gedanken mögen dich begleiten. Sei weiterhin gesegnet in all deinem Tun! Liebe Grüße, Iris

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