12 von 12 im März 2026 – Momente aus meinem Alltag

Es ist eine schöne, alte Blogger:innen-Tradition, den 12. eines Monats in zwölf Bildern zu dokumentieren. Ins Leben gerufen wurde sie von Chad Darnell, weitergetragen im Blog von  Blog von Caroline Götze.
Ab jetzt mache ich mit und halte einmal im Monat Momente meines Alltags fest – berichte, was gerade im Werden und Wachsen ist.


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Fünf Uhr. Die Straßenlampe wirft den Schatten der Äste meines Weingartenpfirsichs auf das Seidenpapier des Paravents im Wohnzimmer. Draußen ist es ruhig. Ganz selten rauscht ein Auto vorbei. Dazwischen meldet sich ein Vogel. Noch ist er allein.
Ich richte mich gemütlich auf der Couch ein. Neben mir ein Kaffee. Der erste Schluck – eine tägliche Morgenwonne. Mich von der Nacht in den Tag hineinschreiben. Ich liebe es, in der Früh mit meinem Laptop hier zu sitzen und meine Gedanken ins Fließen zu bringen.

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Bunte Kostbarkeiten für mein Morgenmüsli. Früchte aus einem Lebensmittelrettungsprojekt. Meine Nachbarin hat sie mir gestern geschenkt: Topaz-Äpfel und Blutorangen. Aus den Äpfeln hat sie einen feinen Strudel gebacken. Ihr kleiner Sohn hat mir eine knusprig-saftige Kostprobe mit Zimtgeschmack gebracht. Die habe ich in der Sonne genossen, auf der Treppe vor dem Haus sitzend.

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Schreibzeit am Morgen. Über Zoom treffe ich mich mit 38 anderen Schreibenden von der Textmanufaktur. Von Dienstag bis Freitag jeweils von acht bis neun Uhr. Meistens arbeite ich an meinem Romanprojekt.
Heute nutze ich die Zeit, um meinen 12-von-12-Beitrag zu erstellen. Danach mache ich eine Mindmap zu meinem neuen Skript fürs Fernstudium im Prosaschreiben. Das Thema: das auslösende Ereignis in einem Roman.

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Nach der Mauser im Winter erscheint das Federkleid meiner zwei Schönen wieder in seiner vollen Pracht. Seit einer Woche legen die beiden wieder täglich ein Ei. Wenn sie meine Schritte hören, kommen sie eilig zum Zaun. Meist bringe ich ihnen etwas mit. Löwenzahnblätter, Karottenschalen oder eingeweichte Brotreste. Am liebsten sind ihnen die getrockneten Mehlwürmer. Darauf stürzen sie sich mit dem größten Eifer.

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Im Postkasten finde ich ein Paket vom Haupt Verlag in Bern. Das versprochene Belegexemplar. Was für eine Freude, mit einem Gastbeitrag im neuen Buch von Michaela Müller dabei zu sein.
Auch ich habe mich längere Zeit mit Begeisterung dem Blumendruck mit Pflanzen gewidmet. „Bunte Blätter“ ist der Titel des Buches. Es ist wunderschön gestaltet, mit Bildern, die mir Lust machen, gleich loszulegen.

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Beim Einkaufen lockten mich vor allem frisch knackiges Gemüse und Salate. Meine Augen bleiben an einer Palette mit bunten Frühlingsblühern hängen. Ich kann nicht widerstehen.
Zu Hause bepflanze ich eine runde Schüssel und stelle sie als Willkommensgruß vor die Haustür. Auch an die emsigen Wildbienen in meinem Vorgarten habe ich dabei gedacht. Schon seit Tagen umkreisen sie die sich öffnenden Blüten in einem sehnsuchtsvollen Tanz.

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Ach – beim Einräumen in die Trommel meiner Waschmaschine habe ich wohl ein Taschentuch übersehen. Auf meiner Wäsche finden sich noch Souvenirs von letzter Woche. Ich war krank und hatte in allen verfügbaren Taschen meiner Kleidung rettende Taschentücher deponiert. Vor dem Zusammenlegen der Wäsche schüttle und klaube ich. Die weißen Punkte krallen sich fest. Irgendwann verlässt mich die Geduld, und ein paar Reste bleiben.

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Auf dem Weg zu meiner Tochter. Aussteigen am Margaretenplatz in Wien.
Beim Vorbeigehen am Bruno-Kreisky-Park dringt von den bunten, steinartigen Gebilden her Kinderlachen an mein Ohr. Es beschert mir ein Déjà-vu, katapultiert mich eineinhalb Jahrzehnte zurück – ins Kleinkindalter meiner Enkelinnen.
Nachmittage im Park mit den roten Hängematten. Ein Picknick mit Fotzelschnitten und Apfelmus. Und dann gemeinsam in der Hängematte liegen, schaukeln und Bilderbücher anschauen.

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Wir brauchen gute Nerven beim Neueinrichten meines Mailkontos. Der Server ist umgezogen, nun muss alles neu eingerichtet werden. Ich bin froh über die Hilfe meiner Tochter, auch wenn sie zwischendurch schon ziemlich genervt ist von der widrigen Umständlichkeit.
Die Narzissenblüten aus dem Strauß zu ihrem Geburtstag sind inzwischen eingetrocknet und haben trotzdem ihre Farbe bewahrt. Zart und fein wie Seidenpapier ihre Oberfläche. Beim Anfassen ein leises Knistern.

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Meine älteste Enkelin ist im Maturajahr. Bald ist es vorbei mit den vielen Schularbeiten. Noch drei Wochen, dann ist es geschafft. Ich bewundere ihre Ausdauer und ihr Engagement.
Seit ein paar Monaten lebt sie vegan. Aus moralischen Gründen, sagt sie. Butter und Wurstaufschnitt mag sie trotzdem – aber nur, wenn sie vegan sind.

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Auf dem Nachhauseweg am Bahnhof Wien Mitte. Warten im Untergrund. Ein Ort, den nie ein Sonnenstrahl erreicht. Eine eigenartig künstliche Atmosphäre um mich herum. Wie in einem Film, denke ich, und betrachte meine Mitreisenden.
Ein seltsames Gefühl überkommt mich – als wäre ich aus der Zeit gefallen.

-12-

Zurück an der Hauptstraße in Oberdorf. Und schon wieder ist es dunkel. Kein Vogel zu hören. Wo sie wohl jetzt sind?
Oben in der Krone des Baumes, an dem ich gerade vorbeigehe, sitzen tagsüber die Krähen. Auch von ihnen ist kein Laut zu hören.

14 Kommentare

    1. Danke Antje,
      das freut mich.
      Die Umstellung vom wöchentlichen Nacht- und Tag-Buch zum monatlichen Eintagesformat ist nicht ohne.
      Aber es hat auch mir gefallen so komprimiert von einem Tag zu berichten.

  1. Einrichten/Umstellen von Accounts:
    Sie sagen: Einfach und leicht
    Wahr ist vielmehr (fast immer): Widrige Umständlichkeiten

    Und ich habe ein neues Wort gelernt: Fotzelschnitten – ich kenne sie unter dem Begriff: Pofesen.

    Ich freue mich auf viele weitere 12-von-12s.

  2. Liebe Omama!
    Ich finde deine Beiträge immer super! Du schaffst es mit ein paar Worten deinen Lesern das Gefühl zu geben, in deinem Tag dabei zu sein!
    Ich liebe die Erinnerung an den Hängemattenpark und finde es unglaublich schön jeden Tag an dem Ort zu sein, wo wir früher so viel Zeit verbracht haben:)
    Lg

    1. Oh Danke liebe Lia, was für eine Freude dir auf meinem Blog zu begegnen.
      Ja die Hängemattenparkzeit was auch für mich etwas ganz Besonderes
      und die Erinnerungen daran erwärmen mein Gemüt.

  3. Liebe Romy, freue mich auf weitere Beiträge am 12. und Einblicke in dein Leben. Vielleicht mache ich ja auch mal mit. LG und dir ein schönes Wochenende eva
    PS werde deine Tag- und Nachtgedanken trotzdem vermissen

  4. Liebe Romy,
    wie leichtfüßig dein 12 von 12 hereinspaziert in meinen Abend :-).
    Danke für den Buchtipp!

    Ich freue mich auf mehr!
    Liebe Grüße
    Sabine

  5. Oh wie spannend, dass ich dich über den 12von12 entdeckt habe. Noch nie von Cyanotypie gehört, aber fasziniert… Und bei der Textmanufaktur hab ich auch schon manchmal mitgeschrieben und ein paar Kurse besucht, aber 8-9Uhr geht sich für mich im Alltag leider nie gut aus. Aber so eine fixe Schreibgruppe, das wäre an sich schon hilfreich. Freu mich hier weiter herumzustöbern und lasse ein paar sonnige Grüße da…

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