Abschied und Neubeginn

Romys Nacht- und Tag-Buch 161

Diesmal beschleicht mich ein eigentümliches Gefühl beim Anlegen dieser Seite für das 161. Nacht- und Tag-Buch. Es wird vorläufig das letzte sein. Drei Jahre lang hat es mich durch alle Hochs und Tiefs begleitet – durch drei Knieoperationen, die Zeit der Rehabilitation und körperlichen Einschränkungen, durch Alltagsmomente und vor allem durch das Wachsen und Aufblühen meines neu entdeckten Schreibabenteuers.
Doch hier auf meinem Blog werde ich weiterhin Momente aus meinem Alltag teilen. Am 12. eines jeden Monats möchte ich mit zwölf Bildern vom Werdenden und Wachsenden in und um mich herum berichten.

Sonntag, 1. März

Welche Rolle spielt das Herz im emotionalen Haushalt einer postfaktischen Welt? Dieser spannenden Frage geht eine Ausstellung der Initiative Fotofluss im Schloss Wolkersdorf nach. Bei der Eröffnung treffe ich auf viele Bekannte und Freundinnen. Reden, Austauschen und das Zusammensein bei einem Glaserl Wein genießen – All dies füttert meinen emotionalen Haushalt auf die altbewährte Weise.

Montag, 2. März

Jeden Montag tauschen wir uns in der Schreibgruppe aus. Wir informieren einander auf WhatsApp über unsere aktuellen Ideen und den Stand unseres Schreibprojektes, woran wir gerade arbeiten und was wir uns für die kommende Woche vornehmen. Dieser regelmäßige Austausch ist uns mit der Zeit immer wertvoller geworden. Diesmal berichten alle drei von Verunsicherung und Frust. Auch das gehört manchmal zum Prozess. Gerade in solchen Momenten zeigt sich, was in dieser Zeit gewachsen ist: ein Verständnis füreinander, das tröstet, Halt gibt und uns weitermachen lässt.

Dienstag, 3. März

Auch wir Menschen sind Sonnengewächse. So habe ich mich jedenfalls in der letzten Woche gefühlt. Die Wärme und die Sonnenstrahlen im Gesicht öffneten etwas lange Vermisstes in mir. Endlich wieder draußen sein, ohne der Kälte trotzen zu müssen. In meinen Händen die Erde spüren. Mich mit der kleinen Hacke dem Vorgarten widmen und Platz machen für all die wunderbaren Gewächse, die schon in den Startlöchern standen. Dann auf der Treppe vor dem Haus sitzen, mich ausruhen und alles anstaunen, was da so wächst und kreucht und fleucht. Jetzt hat mich irgendein Virus erwischt: schmerzender Hals, rinnende Nase. Vom Wohnzimmerbett aus schaue ich in die Zweige des Weinpfirsichs. Die Knospen werden dicker. Wie verkehrt aufgehängte Tränen perlen sie die Äste hinauf.

Mittwoch, 4. März

Langeweile kann ziemlich mühsam sein. Gerade wenn draußen die Sonne scheint und ein Virus mir Bettruhe verordnet. Ruhig liegen, lesen, Musik hören, Filme schauen … das alles kommt mir unendlich fad vor.
Langeweile kann aber auch befruchtend sein. Endlich finde ich wieder hinein in die Texte von meinem Buchprojekt. Schreibe und überarbeite, sehe mit neuer Klarheit, wie sich das Eine aus dem Anderen entwickelt. Ich traue mich hin zu den Lücken, zu den Stellen wo mir das Hinschauen lange Zeit schwer gefallen ist. Schreibe, und komme endlich wieder in den Fluss.

Donnerstag, 5. März

Eine Erinnerung ans Sein und Werden – Immer wieder bleibt mein Blick an der Kühlschranktür hängen. Vor ein paar Tagen habe ich dort mit weißer Kreide einen Auszug aus einem Gedicht von Rose Ausländer geschrieben.

Freitag, 6. März

Gegen den Abend zieht es mich hinaus. Nach den Tagen im Haus brauche endlich wieder einen weiten Himmel über mir und frische Luft in der Nase. Die erstarkte Frühlingssonne verbreitet noch immer eine milde Wärme. Das weiche Licht verleiht der wintermüden Straße einen warmen Glanz.

Samstag, 7. März

Es fällt mir nicht leicht, dieses Nacht- und Tag-Buch zu beenden. Vor allem auch deshalb nicht, weil es mich über all die Zeit mit euch, meinen Lesenden, verbunden hat. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass auf der anderen Seite jemand ist – dass meine Gedanken nicht ins Leere gehen. Dafür möchte ich euch von Herzen danken. Fast jede Woche haben mich kürzere oder längere Mails erreicht, und manche von euch haben auch direkt auf dem Blog Kommentare hinterlassen. Diese Rückmeldungen haben mich sehr berührt und begleitet.
Umso mehr freue ich mich darauf, euch weiterhin am 12. jedes Monats zu begegnen, wenn dieses Projekt in kleinerem Rahmen weitergeht.


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8. März – Frauentag

Lesemarathon im Café Harlekin, Mistelbach
Zwanzig Frauen lesen zehn Stunden lang aus Werken von Frauen.
Ich lese um 13.30 Uhr meine Kurzgeschichte „Wütender Frühling“.

Ich freue mich auf euch!

11 Kommentare

  1. Danke, Romy, für deine
    Geschichten und Gedanken! Ich werde die Freude beim Lesen am Samstag sehr vermissen!
    Dein Nacht-Und-Tag-Buch war mir Anregung, selbst Gedanken zum Tag aufzuschreiben. Nicht täglich, aber doch. 💕 Alles Liebe für dich und deine Projekte!

  2. Liebe Romy, schade, ich habe samstags morgens gerne in deinem Tag- und Nachtbuch gelesen. Ich werde es vermissen. Habe deinen Newsletter abonniert – und ich freue mich immer, wenn ich dich morgens beim Schreibdate sehe. Zu deiner Lesung morgen kann ich leider nicht kommen – wünsche dir aber viel Spaß und Erfolg und grüße dich aus dem Norden Deutschlands, eva

  3. Ich habe dein Nacht-und-Tag-Buch jeden Samstag gleich morgens im Bett mit viel Freude und Interesse gelesen. Ein schönes Wochenendritual. Ich werde es vermissen, kann aber gut verstehen, dass es an der Zeit für Neues ist.
    Alles Liebe
    Kerstin

  4. Liebe Romy!
    Herzlichen Dank für deine wöchentlichen Tag- und Nachtgeschichten. Ich werde sie vermissen, freue mich aber schon auf den 12. eines jeden Monats.
    Liebe Grüße Johanna

  5. Lieb Romy, danke, danke, danke.
    Ich habe deinen Alltag mit großem Interesse verfolgt- wurde durch deine Gedanken nachdenklich und inspiriert.
    Toll, so ein Neubeginn!
    Alles Liebe aus dem Bergischen 🫂☘️

  6. Liebe Romy,
    du wirst von einem Wochenmagazin auf ein Monatsmagazin umsteigen, dass ich genauso gerne lesen werde.
    Alles Liebe und Gute beim Schreiben und auf ein Wiederlesen freut sich Birgit

  7. Drei Jahre, was für ein langes Ritual in unserer so kurzlebigen Zeit liebe Romy. Für mich war dein Tag und Nacht Tagebuch eine Ode an die Verlässlichkeit. Jeden Samstag hat es mich inspiriert die kleinen Dinge genauso zu würdigen wie vermeintlich große Ereignisse im Leben. Es hat mich erinnert, dass goẞes aus all den vielen kleinen Momenten entsteht. Das Leben selbst im Ritual sich festigt und Luft holt für die Geburt des Neuen. Hab Dank für jeden Moment, den du mit mir geteilt und geschenkt hast. Jetzt spüre ich deinen Mut vertrautes loszulassen ganz stark als inspirierende Frequenz.
    Die Verbindung, bleibt unweigerlich 💓

  8. Ach Romy, wie schade.. ich werde deine Nacht und Tag Buch sehr vermissen!!
    Wie gerne bin ich eingetaucht, hab mich wiedergefunden und inspiriert gefühlt, oft nachgesonnen und bin stets berührt gewesen ..
    Unglaublich!.. 3 Jahre sollen das gewesen sein?!
    Ich werde dich gerne weiterlesen, egal in welchem Format:-)!
    Danke für all deine feinen Worte!
    Alles Liebe
    Sabine

    1. Danke Sabine,

      Ja, wahrscheinlich werde ich mein Nacht- und Tag-Buch auch manchmal vermissen.
      Aber es geht ja weiter … einfach ein bisschen weniger. Jetzt im Monats statt im Wochenformat.

      Liebe Grüße
      Romy

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