12 von 12 im April 2026 – Momente aus meinem Alltag

Es ist eine schöne, alte Blogger:innen-Tradition, den 12. eines Monats in zwölf Bildern zu dokumentieren. Ins Leben gerufen wurde sie von Chad Darnell, weitergetragen im Blog von  Blog von Caroline Götze.
Ab jetzt mache ich mit und halte einmal im Monat Momente meines Alltags fest – berichte, was gerade im Werden und Wachsen ist.

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Sechs Uhr drei. Noch ein wenig schlaftrunken tapse ich ins Wohnzimmer.
In meinem Minigewächshaus hat sich über Nacht Kondenswasser gebildet. Ich nehme den Deckel ab. Die Zucchini öffnen gerade erst ihre kräftig dicken Keimblätter. Sie sind wohl Mondgewächse und gehen es langsam an. Bei der Kapuzinerkresse bilden sich aus der Mitte heraus schon die zweiten neuen Blätter. Sie ist vielleicht eher eine Feuerpflanze, sonnenhaft. Ihr wird eine antibakterielle und immunstimulierende Wirkung zugeschrieben.

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In den Nachrichten berichten sie von Saharastaub in der Luft. Vielleicht trägt er mit seiner gelblichen Färbung dazu bei, die Morgenstimmung am Himmel zu intensivieren. Die Wolkenränder leuchten rosarot, und am Horizont schimmert das Sonnenlicht in einem hellen, strahlenden Gelb.
Mit leuchtend weißen Tupfen vor dunklem Hintergrund blühen links vom Weg der Zwetschkenbaum und rechts die Pflaume. Der Kriecherl dahinter bildet schon erste kleine Früchtchen.

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In meinem Hals kratzt es. Gestern Nacht, auf der Heimreise von einer Lesung in Wien, habe ich jämmerlich gefroren. Hoffentlich habe ich mich nicht verkühlt.
Vor dem Spiegel im Bad strecke ich die Zunge heraus. Ich sehe, dass rund um das Halszäpfchen die Schleimhaut gerötet ist.
Ich hole Salbei aus dem Garten und mache mir einen Tee zum Gurgeln. Der hilft bestimmt.

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Dann reise ich schreibend achtunddreissig Jahre zurück und erlebe mich wieder als junge Frau. Ich arbeite an einem Text über meine Arbeit bei den Fleischhühnern. Damals habe ich mit meiner Familie für acht Monate in einem japanischen Dorf gelebt.

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Zurückgekehrt ins Hier und Jetzt besuche ich meine zwei Hühner im Hintergarten. Alissia sitzt seit bald einer Woche in ihrem Nest auf acht Bruteiern, die ich ihr aus der Steiermark mitgebracht habe. Ich gebe ihr Mehlwürmer und frisches Wasser.
Ginger habe ich in den unteren Teil des Hühnerhauses ausquartiert, damit sie Alissia beim Brüten nicht stört. Anfangs wirkte sie etwas verloren, so ganz allein im Hühnergehege. Inzwischen hat sie sich wohl an ihr Alleinsein gewöhnt.
Sie breitet die Flügel aus und gibt sich genüsslich der Federpflege hin.

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Bei meinem Fernstudium im Prosaschreiben beschäftige ich mich gerade mit der Dramaturgie. Dabei geht es um den Aufbau einer Geschichte und ihren Spannungsverlauf. Die Hauptfigur muss Hindernisse überwinden; diese werden auch antagonistische Kräfte genannt.
Zu jedem neuen Thema im Skript gestalte ich mir eine Mindmap, um die Zusammenhänge besser zu verstehen und das Gelernte in meinen Texten anwenden zu können. Mit jedem Thema öffnet sich mir eine neue Tür, und ich beginne, immer mehr Zusammenhänge wahrzunehmen.

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Das Buch Kafka am Strand von Haruki Murakami habe ich vor mehr als zwanzig Jahren gelesen. Damals ist es erstmals auf Deutsch erschienen. Ein Freund, der Moderator beim österreichischen Kulturradio ist, hat es mir damals empfohlen.
Jetzt, beim Wiederlesen, merke ich, dass ich durch mein Studium beginne, genauer hinzuschauen. Ich liebe die Art, wie Murakami Menschen, Orte und Landschaften beschreibt, das fast unmerkliche Hinübergleiten ins Fantastische und wie gekonnt er über verschiedene Erzählstränge Spannung aufbaut.
Für mich ist dieses Buch ein wunderbares sonntägliches Lesevergnügen.

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Das Wetter bleibt diesig. Trotzdem brauche ich ein wenig Bewegung. Also mache ich mich auf den Weg zum Milchautomaten.
Am Sonntag gibt es dort seit Kurzem auch frisch gebackene Mehlspeisen. Diesmal kann ich nicht widerstehen und kaufe mir eine Biskuitroulade, gefüllt mit Marillenmarmelade.

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Was für ein Wunder – die Schachbrettblume hat den ersten Winter überlebt. Direkt vor ihr hat sich am Nachmittag eine Schwertlilienblüte geöffnet.
Jedes Jahr bringt sie nur eine einzige Blüte hervor. Sie ist eben eine besonders rare Schönheit. Umso mehr bekommt sie meine Bewunderung und Freude zu spüren.

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Mit der Biskuitroulade tauchen Kindheitserinnerungen auf. Bei uns zu Hause gab es sie selten. Immer wieder bettelten wir unsere Mutter an, uns doch bitte eine zu backen. Sie meinte, sie sei schwierig und misslinge leicht.
In der Kochschule habe ich später einen Trick gelernt, damit sie beim Einrollen nicht bricht.

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Im Wohnzimmer liegt ein bunter Haufen, den ich geflissentlich übersehe, wenn ich daran vorbeigehe. Gestern habe ich meinen Kleiderschrank geräumt und hier und dort einen kleinen Riss oder ein Loch entdeckt. Nun warten ein paar Kandidatinnen aufs Flicken.
Ich hatte mir vorgestellt, beim sonntäglichen Radiohören gemütlich mit Nadel und Faden zu hantieren. Allein, mir fehlt die Lust dazu.

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Gestern Abend, als ich nach Hause kam, hat mir der blühende Weingartenpfirsich vor dem schwarzen Nachthimmel entgegengeleuchtet. Heute Nachmittag zog ein stürmischer Wind auf, und die rosaroten Blütenblätter wirbelten wie Schneeflocken durch die Luft. Zum Glück habe ich mit dem Handy noch ein Foto von dieser vergänglichen Pracht gemacht.

9 Kommentare

  1. 🥰Oh, wie schön! Ich bin mit deinen 12von12 in den Tag gestartet…
    Stell dir vor, ich hatte schon mehrmals kritisch meine Kalenderblätter betrachtet und auf deine Zeilen gewartet🤗!
    -Da siehst du, welchen ‚Entzug‘ du mir ohne Nacht-Tagebücher bescherst🙈!
    Was für eine vielfältige Pracht!!

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Danke Sabine, ich freue mich sehr.
      Ich habe schon mehrere Bücher von Haruki Murakami gelesen.
      Ob der Aufziehvogel dabei war?
      Wahrscheinlich würde ich mich wieder bei den ersten Zeilen des Buches erinnern.
      So ist es mir beim Kafka am Strand ergangen.

      Liebe Grüße
      Romy

  2. Spannend zu lesen, das du in Japan gelebt hast. Was hat deine Familie dahin verschlagen und hast du irgendwelche Lebensweisen von dort mit in deinen hiesigen Alltag übernommen?

    VG Suse

    1. Liebe Suse, nach Japan bin ich über meine Schwester gekommen die immer noch dort lebt. Für mich war die Zeit dort schon sehr prägend. Ich überlege gerade was davon ich in meinen Alltag übernommen habe. Vielleicht am ehesten den sehr achtsamen Umgang mit Blumen und Pflanzen.
      Liebe Grüße
      Romy

  3. Liebe Romy,
    10: jetzt hast du mich sehr neugierig gemacht, welchen Trick dir die Kochschule wohl verraten hat. Meine Mutter hat immer geflucht, wenn die Rolle gerissen ist und das war meistens der Fall.
    Herzliche Grüße Gabriele

    1. Der Kochschultrick:
      Biskuit backen (dünn auf dem Blech)
      Sofort nach dem Backen:
      Ein zweites Backpapier auf den heißen Biskuit legen
      Dann ein Backblech oder Brett oben drauf
      Umdrehen:
      Das Ganze vorsichtig stürzen (jetzt liegt der Biskuit auf dem frischen Papier)
      Altes Backpapier abziehen
      Noch warm einrollen:
      Mit dem neuen Backpapier oder einem Tuch locker aufrollen
      So auskühlen lassen
      Liebe Grüße
      Romy

  4. Liebe Romy,

    Es tut einfach so gut, deine farbleuchtenden Alltagsbetrachtungen mit ihren durch die Zeilen schimmernden Gefühlen zu lesen. Erinnert mich so sehr an einen japanischen Film über diesen Mann, der so bedächtig und liebevoll Toilettenanlagen in Tokio sauber macht – ich komme grade nicht auf den Titel – weißt du, was ich meine? Hieß er „Perfect Days“?

    Viel Freude beim Schreiben an deinem Buch, ich freu mich richtiggehend drauf, es zu lesen!

    Lisa

    1. Liebe Lisa,

      der Film Perfect days von Wim Wenders und dein Vergleich haben mich berührt. Der Protagonist baut eine tiefe Beziehung zu seiner nicht nicht menschlichen Umwelt auf. Offensichtlich fällt es ihm leichter hier in eine Verbindung zu kommen als mit den Menschen in seiner Umgebung. Auch in meinem Roman wird es um die Themen Zugehörigkeit und Verbundenheit gehen. Schön zu hören, dass du dich auf mein Buch freust. Das beflügelt mich beim Weitertun.

      Liebe Grüße
      Romy

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