12 von 12 im Juli 2022 – Momente aus meinem Alltag

Lamellen und blauer Himmel

Die Kunst des Wartens

12 von 12 ist eine schöne, alte Blogger:innen Tradition. Es geht darum, den 12. eines Monats in 12 Bildern zu dokumentieren. Sie wurde ins Leben gerufen von Chad Darnell und lebt weiter durch den Blog von Caroline Götze. Heuer habe ich mir vorgenommen, möglichst jeden Monat dabei zu sein.
Den größten Teil dieses Tages habe ich mit Warten verbracht. Früher machte mich das Warten oft ungeduldig. Ich sah es als unnütze, verschwendete Zeit. Jetzt erfahre ich es eher als eine Gelegenheit, einen Ort, eine Situation in aller Ruhe zu studieren und zu erleben. Ich verbringe diesen Tag im Krankenhaus, wo ich aufgenommen werde, um verschiedene Untersuchungen zu machen.

Taube aus Sandstein und Kaktus
Den Morgenkaffee trinke an meinem Holztisch auf der Terrasse. Die flechtenbewachsene Taube vermittelt mir ein friedliches und ruhiges Gefühl. Den Kaktus habe ich selber mit Drachenfruchtsamen, die ich aus China mitgebracht hatte, gezogen. Er erinnert mich daran, in meiner Kraft und bei mir zu bleiben. Ja und was will mir der Stern sagen, zum Start in diesen speziellen und für mich doch eher herausfordernden Tag? Vielleicht, dass jeder Moment einzigartig ist ….
Zwei Hühner
Pavina und Mareike, meine zwei Hühner sind so wie immer, schon früh in den Tag gestartet. Heute wird es wieder sehr heiß werden. Den Topinamburpflanzen würde ein tüchtiger Regen jetzt guttun.
Vorgarten
Meine Freundin Christl wird mich mit ihrem Auto ins Krankenhaus fahren. Ich stelle schon das Gepäck vor die Türe und mache mich bereit. Die Königskerzen werden als Frühmorgenblüherinnen schon heftig von wilden Bienen umworben.
Namensband fürs Krankenhaus
Die Aufnahme ins Krankenhaus ist ein Eintritt in eine neue und eigenartige Welt. Dieses Armband macht mich unverwechselbar.
Gänge im Krankenhaus
Die Gänge sind wie Höhlen in einem unterirdischen und fensterlosen Labyrinth. Ich bin froh, dass ich zu den verschiedenen Untersuchungsorten jeweils von einem Krankenträger begleitet werde.
Butterbohnen
Nach den Untersuchungen komme ich zurück in den Warteraum der Abteilung. Die Essenszeit ist zwar schon vorbei. Eine Pflegerin wärmt das Mittagessen auf und bringt es mir in den Warteraum. Nach den vielen Untersuchungen bin ich froh um ein warmes Essen mit Butterbohnen aus niederösterreichischer Zucht.
Zimmer im Krankenhaus
Um halb drei bekomme ich doch noch ein Bett. Eine Ärztin hatte zwischenzeitlich schon gezweifelt, ob überhaupt noch was frei würde.
Wand mit Wellenmuster
Schon ziemlich erschöpft lege ich mich ins Bett und studiere die Wand vis a vis.
Eine sanfte und doch dynamische Welle bringt Schwung ins Zimmer. Draußen geht das Leben weiter. Anruf von einem Journalisten der Kunstzeitschrift Kunststoff. Wir machen uns einen Termin für ein Interview aus.
Strauß
Die Vorgängerin hat diesen Strauß im Zimmer zurückgelassen. Das leuchtende Orange der Lilie tut mir gut und bringt ein wenig Leben in die doch eher sterile Umgebung.
Fensterläden und blauer Himmel
Durch die Lamellen vor dem Fenster grüßt mich ein strahlender, sonnig heißer Tag.
Abendessen
Ein sommerlich leichtes und schmackhaftes Abendessen erfrischt meine Lebensgeister. Unterdessen habe ich auch eine junge Zimmerkollegin bekommen und ich bin froh um die nette Gesellschaft.
Abendhimmel
Am Abend wird es ein wenig kühler. Wir öffnen das Rouleau und ziehen die Vorhänge zurück.
Ein dramatisch schöner Abendhimmel zeigt sich. In der Ferne die Windräder und ein wenig weiter, in Wien, findet jetzt gerade die Vernissage der Ausstellung AUFWACHEN, in der Galerie am Park statt. Dort zeige ich Bilder aus meiner Serie „Gespräche mit dem Japanknöterich“. Heute kann ich leider nicht dabei sein. Aber bei der Finissage am nächsten Sonntag wird es klappen. Ich freue mich darauf.

10 Kommentare

    1. Liebe Jutta

      Ja, das Warten kann eine ganz spezielle Qualität entwickeln.
      Sie als verschwendete Zeit zu sehen, unnütz, quälend und ungeduldig auf den eigentlichen Moment wartend… All diese Gedanken schränken den Horizont und das Denken massiv ein. So war es oft bei mir. Das Blogformat 12 von 12 unterstützt mich dabei das Wertvolle in einem jeden Moment wahrzunehmen.

      Liebe Grüße
      Romy

  1. Liebe Romy, wie schön, dass du diesen Tag in einer anderen Welt verbloggt hast und uns mitnimmst in einen so ganz anderen Alltag. Und wie gut, dass du nun wenigstens bei der Finissage deiner Ausstellung dabei sein kannst. Grüße Pavina und Mareike von mir! Alles Liebe Kerstin

    1. Herzlichen Dank liebe Kerstin… Ja, das ist das für mich das Schöne am 12 von 12 Format, diese geschärfte Aufmerksamkeit die jeden Tag zu einem Besonderen werden lassen … 💕

  2. Liebe Romy, ich hoffe dein Aufenthalt im KH ist nur von kurzer Dauer..
    Danke fürs Teilhaben lassen an deinem Tag, den Gedanken und Gefühlen.
    Ich erkenne mich selbst darin.. Die Ungeduld, die ein Warten(müssen) mich richtig unrund machen kann. Das Gefühl um die unnötig verschwendete Zeit, die ich eh für dies und das nützen könnte oder sollte/müsste.
    Wenn ich mich dem Warten hingebe, es annehmen kann, beginne ich zu beobachten und Gedankenzugehen.
    Je mehr ich ein Warten annehmen kann, desto weniger wird das Gefühl Zeit zu verlieren zur Qual..

    Wie beglückend ist jedenfalls die andere…, die ‚Alltagswelt‘ mit allen Formen und Farben, Gesumme und Gezirpe, Gegackere und Gescharre in deinem (oder auch meinem) Reich!
    Auch das bildet dein dein 12.Juli-Blog eindringlich ab..
    Alles Gute dir und eine wunderbare Finissage!
    Sabine

  3. Liebe Romy, danke für das Eintauchen in deinen Tag und deine Gedanken dazu. Das Warten ist für mich mittlerweile auch eine Art Zeit zum Innehalten und Durchatmen geworden! Ich hoffe, es kann dir geholfen werden und lass wieder was hören von dir! Alles Liebe Sue🌼❤️🌼

  4. Liebe Romy,
    ich habe mit großem Interesse deinen Beitrag über das WARTEN gelesen … und ich freue mich, dich einmal in deinem Garten besuchen zu kommen und mehr von dir zu hören und zu sehen!
    Ales Gute und Liebe
    Charlotte

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