Japanische Lebenskunst

Romys Nacht- und Tag-Buch 159

Den Moment feiern. Das Werden und Vergehen zelebrieren. Das Buch über japanische Lebenskunst, das in dieser Woche den weiten Weg von Japan zu mir gefunden hat, erinnert mich wieder daran, was das Wesentliche eines guten Lebens ist.

Sonntag, 15. Februar

Wenn wir Schmerzhaftes vermeiden, bleibt es oft diffus mächtig. Schwierige Erinnerungen tauchen beim Schreiben immer wieder auf, und ich suche einen Weg, ihnen zu begegnen, ohne im jetztigen Leben erneut in ein Tief zu geraten. Heute habe ich eine neue Methode ausprobiert: exposives Schreiben. Ich gehe so konkret wie möglich in den Moment hinein – sehen, riechen, hören, spüren. Keine Erklärung, keine Rechtfertigung, nur Wahrnehmung. Nach dem Schreiben gehe ich in den Garten, atme die frische Luft, gebe den Hühnern eine Handvoll getrockneter Mehlwürmer, sehe ihnen beim Picken zu – und bin wieder zurück im nun etwas leichteren Hier und Jetzt.

Montag, 16. Februar

Es hat ganz harmlos angefangen. Mit ein paar verlorenen, in der Luft tanzenden Schneeflocken. Sollen wir spazieren gehen, frage ich den Chai, der den Vormittag bei mir verbringt. Der wedelt mit dem Schwanz. Wahrscheinlich heißt das ja. Draußen weht ein scharfer Wind. Kalt beißen sich die Schneeflocken ins Gesicht. Das sanft Verspielte – das war einmal. Wir kämpfen uns durchs Schneegestöber. Am Ende unserer Runde ist der Gehsteig weiß und wir beide Schnee-umhüllt.

Dienstag, 17. Februar

Gegen Abend klart es auf. Ich habe mich den ganzen Nachmittag intensiv mit Schreiben beschäftigt. Jetzt habe ich ein dringendes Bedürfnis nach Kopfauslüften und Bewegung. Die Müdigkeit und die ein wenig gedrückte Stimmung verliert sich schon bei den ersten Schritten. Die schneeweiße Landschaft wirkt aufhellend auf Gedanken und Gemüt. Durchatmen und genießen. Vom Horizont her ein warm rötlicher Schein.

Mittwoch, 18. Februar

Den Frühling hören – für mich ist das Ohr ist das erste Sinnesorgan, über das er sein Kommen ankündigt. Auch wenn im Park noch Schnee liegt, die Vögel singen lauter. Die Melodien haben sich verändert. Ihr Gesang weckt Frühlingsgefühle. Er verkündet lauthals, dass der Winter bald sein Regiment beenden wird.

Donnerstag, 19. Februar

„Das ist aber ein sehr teures Buch geworden“, meint meine Schwester. Sie hat mir aus Japan, wo sie lebt, ein Buch geschickt, und ich musste beim Postler, als er es brachte, 35 Euro Zoll bezahlen. Eigentlich ist das günstig, denke ich. Es hat sich auf den Weg zu mir gemacht und ist dabei um die halbe Welt geflogen.
Zwischen seinen Seiten atmet noch japanische Luft, als ich es öffne. Schon nach den ersten Seiten wird mir klar: Da ist ein wahrer Bücherschatz zu mir gekommen – und ich freue mich unbändig über dieses schöne Buch.

Freitag, 20. Februar

Im Buch Ikigai von Ken Mogi geht es um japanische Lebenskunst. Er beschreibt fünf Grundprinzipien, die helfen, Ikigai zu leben:
Klein anfangen – statt großer Ziele eher kleine, bewusste Schritte gehen.
Loslassen lernen – Ballast reduzieren und sich auf Wesentliches konzentrieren.
Harmonie und Nachhaltigkeit leben – im Einklang mit sich selbst und der Umwelt.
Freude an kleinen Dingen entdecken – Aufmerksamkeit auf einfache, tägliche Freuden richten.
Im Hier und Jetzt sein – Achtsamkeit und Präsenz statt Zukunftssorgen oder Vergangenheitsträumen.

Samstag, 21. Februar

Ken Mogi erklärt anhand von praxisnahen Beispielen, etwa von Handwerkern, Senioren und kreativen Menschen was Ikigai bedeutet. Es ist etwas, das in alltäglichen Handlungen, Gewohnheiten und in kleinen Momenten gefunden werden kann. Im Wesentlichen geht es um den Grund , jeden Morgen mit Freude und Sinn aufzuwachen.



5 Kommentare

  1. Liebe Romy, danke für den Buchtipp, ich habe es mir bestellt. Und deinen Sonntagstipp explosives Schreiben werde ich auch ausprobieren.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende, vielleicht sehen wir uns ja heute Nachmittag beim Schreibfebruar.
    LG eva

    1. Liebe Eva
      Explosives Schreiben …
      was für ein wunderbarer „Verschreiber“/ Versprecher.
      Gefällt mir viel besser als exposives Schreiben.
      Ich bin gespannt wie es dir beim Ausprobieren geht.
      Ja wir sehen einander heute Nachmittag auf Zoom beim Schreibfebruar.
      Bis dann
      Liebe Grüße
      Romy

  2. Hey Romy,
    gleich wieder ‚muss‘ ich dir schreiben..;-)
    Wow!! Ikigai… da hast du offenbar echt einen Schatz gehoben!!
    Diese fünf Grundprinzipien.. ihnen zu folgen… sehr heilsam.. und ein Leitfaden auch für mich. [Falthände]:-)

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