Romys Nacht- und Tag-Buch 155
Was bewirke ich mit meinem Tun? Wie selten sind wir uns darüber im Klaren, wie lange etwas nachwirken kann. In dieser Woche hat mich eine Nachricht daran erinnert.
Sonntag, 18. Januar
Aus der Ferne sehe ich einen grell-weißen, sich beständig bewegenden Fleck. Erst beim Näherkommen nehme ich das Brautpaar wahr – ein Fotoshooting am Schlossteich. Ich bin ein wenig irritiert. Schneeweiß hatte in meinem Gefühl immer den hellsten Platz inne. Neben der Braut in ihrem blitzweißen Kleid wirkt der Schnee traurig, verblasst. Die weiße Schneelandschaft hat ihre Unschuld wohl schon länger verloren.

Montag, 19. Januar
Meine Blitzidee, aus drei meiner Romanszenen eine Kurzgeschichte zu machen, hat sich unerwartet zu einem längeren Prozess entwickelt. In der Nacht arbeitet es innerlich weiter. Mein Geschriebenes erscheint mir oft wie ein Bild, an dem ich herumschiebe und weiterwerkele. Beim Aufwachen ist dann plötzlich ein neuer Titel da oder die Idee, in der Ich-Form und in der Gegenwart zu schreiben. Während des Eintauchens in diesen intensiven Schreib-Prozess sind mir zunehmend die Unterschiede zwischen Roman und Kurzgeschichte deutlich geworden, und ich habe viel gelernt.
Dienstag, 20. Januar
Ich bekomme eine WhatsApp-Nachricht, die mich unendlich freut: „Seit 21 Jahren erdet mich deine Kunst, lässt mich – wurscht, wo sie hängt – so zu Hause, so bei mir fühlen.“
In mir taucht die Frage auf, ob mein Schreiben einmal eine ähnlich lang anhaltende Wirkung haben wird wie meine künstlerischen Arbeiten.
Mittwoch, 21. Januar
Ich denke darüber nach, wie viele Bücher ich schon gelesen habe. Seitdem ich lesen kann, sind das im Schnitt so ein bis drei Bücher pro Woche. – Und natürlich hat das viel bewirkt in mir. Ich habe mit diesen Büchern gelebt und sie haben mich durch die vielfältigsten Prozesse begleitet, mich dabei unterstützt. Habe ich es je einen dieser wunderbaren Autoren und Autorinnen wissen lassen? Ein großes Nein bleibt im Raum stehen.
Donnerstag, 22. Januar
Auf dem Weg zum Friedhof ein Stoppschild. Was will es mir sagen? Stopp, hier ist das Ende? Gedenke deines Endes? Oder ist es da, um das Ende aufzuhalten?
Ich gehe durch die Gassen und suche mir einen möglichst windgeschützten Weg. Eisige Luft an meinen Wangen. Am Horizont ein blassoranges Leuchten.

Freitag, 23. Januar
Ein feierliches Ambiente und eine stolze Großmutter. Im Festsaal am Rosinaplatz in Wien werden die Abschlussprojekte der Media High School präsentiert. Meine Enkelin ist aufgeregt. Die ganze Klasse ist aufgeregt.
Sie stellen ihre Projekte einzeln auf der Bühne vor, anschließend wird jeweils der Film gezeigt. Viele der Projekte sind in Kooperation mit anderen aus der Klasse entstanden. Ich genieße den Abend in vollen Zügen, spüre die feine Klassengemeinschaft und den jungen frischen Elan.
Samstag, 24. Januar
Er sitzt auf meinem Tisch auf der Terrasse und reckt den Kopf. Ich bewundere das bunte Federkleid dieses Hüters des Waldes. Eichelhäher sind sehr aufmerksam und lautstark, wenn sich andere Tiere oder Menschen nähern. Mit ihrem durchdringenden Ruf „warnen“ sie die anderen Waldbewohner. Zuerst wundere ich mich über seinen Besuch. Als er dann zum Vogelhaus fliegt und sich ein Stück von der fein geschnittenen Speckschwarte schnappt, welche ich dort hineingelegt hatte, wird mir klar, warum er hier ist.

Liebe Romy,
danke für deine Texte… ich liebe das mit dir und durch dich angestoßene Gedankengehen😌.
Über das Wirken und Bewirken sinniere ich auch immer wieder, gerade auch in den vergangenen Tagen und Wochen öfter.
Jöö, auch bei dir ist ein so wunderschöner gefiederter Gast😍!
-Vor ein paar Tagen hab ich auch sein hübsches blaues Bändchen bewundert.
Das rege Treiben an meinen Futterhäuschen und Meisenknödelspiralen zu beobachten lässt mich so schön im Moment sein und entschleunigt mich.
Und bald ist mir klar geworden, warum ebendiese weggehen wie die warmen Semmeln..:
Nebst der kleineren Piepmätze machen sich auch drei Buntspechte täglich energisch dran zu schaffen 😅!
Liebe Grüße
Sabine
Wow, gleich drei Buntspechte, da geht sicher was weg.
Bei mir kommt ganz selten einer … für ihn ist es nicht so einfach bei meinem Futterhäuschen zu landen.