Romys Nacht- und Tag-Buch 151
Ein Feuer, wenn der Jahreskreis sich wendet, symbolisiert Licht und Schutz in der dunkelsten Zeit des Jahres, wärmt Hände, Herz und Sinn.
Sonntag, 21. Dezember
Wintersonnenwende. Nächtens durch die Gassen gehen. Von dieser längsten Nacht des Jahres ein Stück in meiner Erinnerung horten. Jedes Wetter ist schön. In der Nässe spiegeln sich die Lichter auf glatten Flächen und tanzen als bunt schimmernde Flecken vor meinen Augen. Die große Schwarzföhre beim Kreisverkehr wird alljährlich mit einer Lichterkette geschmückt. Beim Feuerwehrhaus ein paar schwarze Gestalten vor weihnachtlichem Dekor. Ein leiser Geruch von Nelken und Zimt kitzelt meine Nase.
Montag, 22. Dezember
Mein Staubsauger lockt den Staub auch aus den hintersten Ecken. Zeit für ein großes Reinemachen. Ich gebe Schmierseife ins heiße Wasser und lasse den Wischmopp über den Boden flitzen. Ich freue mich über das Wohnzimmer, das jetzt seinem Namen Ehre macht, die Flächen sind frei, die Papiere sortiert und alles Werkzeug weggeräumt. Morgen kommen meine Weihnachtsgäste und ich möchte, dass sie sich wohlfühlen.

Dienstag, 23. Dezember
Am Abend gibt es Käsefondue. Mein Sohn hat aus der Schweiz die nötigen Zutaten mitgebracht. Weil in meinem Haushalt, kein Rechaud, kein Caquelon, und keine Fonduegabeln vorhanden sind, kommen wir ins Improvisieren. Ich stelle meinen kleinen Induktionsherd auf den Esstisch. Dass wir das Fondue aus einem simplen Topf mit gewöhnlichen Gabeln genießen, beeinträchtigt unser Vergnügen überhaupt nicht. Im Gegenteil, diese österreichische Variante wird uns wohl unvergesslich bleiben.

Mittwoch, 24. Dezember
Hinaus ins Dunkelgraue. Mit eingezogenem Kopf trotze ich Wind und Regen. Für das weihnachtliche Tiramisu brauche ich Gewürzspekulatius. Im ersten Geschäft gibt es keine mehr. Auch im zweiten sind sie ausverkauft. Trotz Weihnachtstrubel wage ich mich in ein drittes. Dort ergattere ich das allerletzte Packerl. Am Nachmittag dann warme Familien-Wohnzimmergemütlichkeit: puzzeln, basteln, dazu erklingt Weihnachtsmusik aus der Box.
Donnerstag, 25. Dezember
Ein Feuer entzünden, wenn sich der Jahreslauf wendet, ist eine der wenigen Familientraditionen, die wir über die Zeit bewahrt haben. Der Schnee, den wir uns so sehr gewünscht hatten, ist mittags schon verschwunden. Dafür klart es auf, kein Regen. Das lodernde Gelb des Feuers begleitet uns vom Nachmittag in den Abend hinein. Wir trinken Hollertee und Crémant, stehen im Kreis der Wärme zugewandt. Später essen wir im Wohnzimmer eine auf der Glut gegrillte St. Galler Kalbsbratwurst mit Erdäpfel-Vogerlsalat.
Freitag, 26. Dezember
Der winzige Christbaum steht golden geschmückt neben dem Sofa. Unter ihm sammeln sich nach und nach die Wichtelgeschenke. Meine Tochter entzündet die Kerzen und schwingt ein blechern schepperndes Glöcklein. Dann ein leicht schiefer Weihnachtsgesang, innig und vielstimmig. Meine zwei jüngeren Enkelinnen begleiten uns mit der Blockflöte und halten das Ganze zusammen.

Samstag, 27. Dezember
Meine drei Enkelinnen. Es macht mich glücklich, ihnen zuzuschauen – wie sie sind und wie sie tun. Ihre Eigenarten, ihr feiner Sinn, diese selbstverständliche Lebendigkeit. Mit ihnen reise ich zurück in der Zeit. Erinnerungsfetzen tauchen auf, Bilder. In ihnen erkenne ich mich als Kind, als Jugendliche. Ein Wiedererleben längst vergessener Gefühle – schöne, und schmerzliche auch.
Liebe Romy, auf diesem Weg noch mal herzlichen Dank für deine Nacht- und Tag-Gedanken. Ich lese sie gerne, und ich freue mich auch immer wieder, wenn ich dich beim Schreiben am Morgen sehe. Ich wünsche dir eine gute Zeit zwischen den Jahren und einen guten Start ins neue Jahr. Herzliche Grüße Eva
Danke liebe Eva,
ich wünsche dir einen guten Rutsch.
Wir sehen uns im nächsten Jahr.
Alles Liebe
Romy