Romys Nacht- und Tag-Buch 148
Wenn Pflanzen zu wenig Licht bekommen, richtet sich ihr ganzes Bestreben danach. Genauso empfinde ich heuer diese immer kürzer werdenden Tage. Alles in mir und um mich her ist hungrig nach Licht.
Sonntag, 30. November
Sternenglanz am Nachmittag, Punsch, Spanferkel und Selbstgemachtes. Advent rund um die Kellergasse in Wolkersdorf. Heuer bin ich alleine unterwegs, gehe steile Treppen hinunter und hinein in Kellerröhren. Kaufe warme Socken, handgestrickt, ein weihnachtlich geschmücktes Sackerl mit ausgeklaubten Nüssen und Erkältungssalbe im Glas. Wann habe ich das letzte Mal Lángos mit Knoblauch gegessen? Hungrig geworden genieße ich diese heißknusprige Köstlichkeit und beobachte vom Stehtisch aus das bunte Treiben um mich herum.

Montag, 1. Dezember
Ohne die Osteoporose Diagnose vor einigen Jahren wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, so etwas zu tun. Jetzt gehe ich zweimal pro Woche zum Krafttraining — und es trägt Früchte. Laut der letzten Messung ist meine Muskelmaße am Zunehmen. Ich liebe es, mich an den Kraftgeräten herauszufordern und an meine Grenzen zu gehen. Die Ruhe und Konzentration haben für mich etwas Meditatives.
Dienstag, 2. Dezember
Im Ofen brennen die letzten Birkenscheite. Der Holzstoß auf der Terrasse hat mir noch ein paar warm-gemütliche Herbsttage beschert. Der Anhänger mit meinem Holznachschub sichte ich bei meiner Nachmittagsrunde auf einem Platz beim Gartenweg. Diesmal ist es eine Buche, die mir die Wohnräume erwärmen wird. Ich nehme ein Scheit in die Hand und spüre sein Gewicht. Morgen Vormittag wird das Holz mit dem Traktor geliefert.

Mittwoch, 3. Dezember
Der erwartete Familienbesuch zur Weihnacht verhilft mir zu einem neuen Blick auf meine häusliche Umgebung und motiviert mich, die Putztücher zu schwingen. Auch den Krimskrams am Fensterbrett habe ich aussortiert, die Spinnweben in den Ecken entfernt. In Wirklichkeit bin ich es, die am meisten davon profitiert. Um mich herum ein wohltuendes Glänzen. Durch das frisch geputzte Küchenfenster genieße ich wieder eine klare Sicht in den Garten.
Donnerstag, 4. Dezember
Dem Bach entlang gehen. Oben eine ermattete Sonne. Bäume spiegeln sich auf der trägen Wasserfläche. Wollen wie in Zeitlupe müde weiterfließen – und bleiben doch stehen, in diesem kleinen Dorf am Bach. Träumen vom Weiterziehen, dort unten im kühlen Nass. Hinein in den großen Fluss. Vorbei an einer ersten Stadt. Dann wieder Dörfer, Städte – und ein wilder Drang. Weiter, weiter würde er singen, der Fluss. Breiter werdend und langsamer. Dann endlich hinein: sich hingebend, an ein schwarzes Meer.

Freitag. 5. Dezember
Diese dunkle Jahreszeit. War es auch früher so, dass schon nachmittags Scheinwerfer finstere Straßen erhellten? Oder kommt es mir nur so vor, dass wir heuer von permanenter Dunkelheit umgeben sind?
Samstag, 6. Dezember
Nikolo … in meiner Kindheit war das der Samichlaus. Wir erwarteten ihn ungeduldig und doch ein wenig bangend. Ich linste durch das Stubenfenster. Unten am ’schregä Wägli‘ sah ich drei schwankende Lichter, die sich langsam vorwärts bewegten. Da – ein dumpf-lautes Tuuuuuuuuu, tuuuuuu erreichte meine Ohren. Es durchdrang den ganzen Körper, landete dann mitten in meiner Brust. Ein heißer Schreck und stockender Atem. Das waren die Schmutzli (Krampusse) mit ihren Kuhhörnern. Sie begleiteten den Samichlaus und kündigten mit diesem tief dröhnenden Ton sein Kommen an.