Sommerfreuden
Nutze den Tag … und genieße jeden Moment.
Es ist eine Blogger:innen-Tradition, den 12. eines Monats in zwölf Bildern zu dokumentieren. Ins Leben gerufen wurde sie von Chad Darnell und weitergetragen im Blog von Caroline Götze.
Monat für Monat sammle auch ich zwölf kleine Momentaufnahmen meines Alltags und erzähle von dem, was gerade im Werden und Wachsen ist.

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In der Nacht vertrieb mich das ausdauernde Geschrei eines Vogels von der Terrasse. Mit Kissen und Decken zog ich mich in mein verwaistes Schlafzimmer zurück. Die Luft war warm, fast stickig. Das Bett, das den Winter über Geborgenheit schenkt, fühlte sich plötzlich eng an. Ich vermisste die Weite meines Sommerbetts unter freiem Himmel. Dennoch blieb ich. Der Vogel gab keine Ruhe.
Irgendwann glitt ich zurück in mein Traumleben.
Am Morgen dann, beim ersten Schritt hinaus ins Freie: ein Aufatmen. Kühle Luft und am Himmel flockiges Wolkengetümmel.

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Ein Tee mit frischem Salbei aus dem Garten und ein Frühstück aus dem Glas warten auf mich. Doch vorher holt mich der erste Schluck Kaffee aus meiner Weinviertler Selbstvergessenheit. Für einen Augenblick schmeckt er nach Süden, bevor er die letzten Traumfetzen aus meinem Kopf auflöst.

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Letzte Woche habe ich mir auf der Gemeinde eine Karte mit den Wanderwegen der Umgebung geholt. Ich überlege mir, welche Wege ich als nächstes unter die Füße nehmen möchte und konsultiere die Karte. Der Luduvicusweg der in Bockfließ losgeht, erscheint mir vielversprechend. Spontan entscheide ich mich für einen Ausflug. Die Wolken und der frische Wind begünstigen meinen Wunsch. Heute wird es weniger heiß werden als in den letzten Tagen. Ich habe Lust über die Felder und durch die Weingärten zu gehen.

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Für den Hinweg lasse ich mich im Bus chauffieren. Ich habe mir vorgenommen, die guten Busverbindungen der Umgebung öfters zu nutzen um neue Gegenden zu erkunden. Auch am Sonntag gibt es regelmäßige Verbindungen. Stolz präsentiere ich dem Fahrer meine Jahreskarte für die Region. Der schaut kaum – nickt und wartet mit dem Weiterfahren bis ich im grauen, spacigen Sessel sitze.

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In Bockfließ bin ich drei Stationen zu früh ausgestiegen. Aber ich bereue es nicht. Der Ort bietet einiges an Überraschungen. Ein winziger Kalvarienberg, auf einem runden Hügel in etwa so groß wie der Aushub eines Hauses. Eine Begegnung mit Schneewittchen und den sieben Zwergen. Und dann ein aufgelassenes Geschäft, das auf seiner Fassade Spezereien, Konsumwaren, Holz, Eisen, Stahlwaren, Pulver und Munition, Samen für Blumen und Gemüse, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Farben, Lacke, Haus- und Küchengeräte anpreist.

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Kaum bin ich auf dem Luduvicusweg unterwegs, erschallt von der Kirche her Glockengeläut. Mir ist sonntäglich zumute.
Der Friedhof neben dem Weg erinnert mich daran, dass uns auf dieser Erde nur ein kurzes Zeitkontingent zur Verfügung steht, dass alles ewiges Werden und Vergehen ist. Carpe diem, singen die Glocken. Nutze den Tag.

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Der Luduvicusweg hält, was ich mir beim Kartenstudieren herbeigeträumt hatte. Bunte Wiesen, der Weg im Baumschatten, sanfte Brisen – und als ob das noch nicht genug des Glücks wär, leuchtet darüber ein kühlblauer Himmel.

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Die Erdölpumpen arbeiten auch sonntags. Es summt und surrt. Ein beständiges Auf- und Abwippen. Wie zwei überdimensionierte Hämmer muten sie mich an. Der eine blau, der andere rot. Voneinander abgewandt nicken sie ja, ach ja, ja ja und noch einmal ja.

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Sonnenblumen so weit das Auge reicht. Sie schauen mir entgegen. Aber nein, nicht mir, der Sonne wenden sie sich zu.
Und noch einmal Öl. Diesmal ein über der Erde Gewachsenes. Aus den Blumenkernen wird Speiseöl gepresst. Der Rest wird als eiweißhaltiges Tierfutter verwendet.

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Oberhalb von Großengersdorf entscheide ich mich, mir den Rückweg mit dem Bus abzukürzen. Fast zehntausend Schritte bin ich gegangen. Das reicht. Noch vor ein paar Tagen hatte mir der linke Fuß beim Abbiegen so sehr geschmerzt, dass ich kaum gehen konnte. Ich hatte mir eine Borreliose eingefangen. Vielleicht war das die Ursache dieser lange andauernden Gelenkschmerzen. Jedenfalls bin ich froh wieder schmerzfrei unterwegs zu sein

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In einer der schönen Kellergassen von Großengersdorf setze ich mich auf eine Bank im Schatten und ruhe mich aus. Ich esse gesalzene Erbsenkräcker und trinke das restliche Wasser aus. Bald kommt der Bus und führt mich auf dem bequemen Weg nach Hause.

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Zuhause backe ich mir eine Focaccia mit Paradeisern, Rosmarin und Schnittknoblauch aus dem Garten. Als sie fertig ist, habe ich schon einen Bärenhunger und esse, bis nichts mehr übrig ist.
Interessanter Einblick in einen Weinviertler Sommer! Ich war nur mal im Herbst dort, kann mir aber vorstellen, wie intensiv der Sommer dort ist. Ein Bett im Freien ist immer mein Traum, aber die Mücken/Gelsen lieben mich einfach zu sehr. Und Zecken bzw. Borreliose ist inzwischen auch ein Angstgegner.
Alles Gute weiterhin für die Laufwerkzeuge!
LG
Astrid
Liebe Astrid,
Vor den Gelsen schützt mich ein nächtens ein Mückennetz.
Unterdessen gibt es aber so wenige, dass man sie wohl bald unter Naturschutz stellen muss.
Herzlichen Dank für deine guten Wünsche.
Romy
Danke für deine wunderbaren Einblicke und Erinnerungen an meine weinviertler Heimat, deren Weite mit ihren hügeligen Felderlinien ich oft vermisse.
Gerade habe ich mir ein paar Minuten im luftigen Schatten meiner ausladenden Magnolie genommen, um in deine Schilderung einzutauchen 🥰.
Es zwitschert und flattert um mich herum.. darauf möchte ich mich heute konzentrieren.., und nicht auf die oft nervenaufreibende Baustelle mit tagtäglichem Lärm und Dreck nebenan vor meiner Nase.
Heute-Gottseidank sonntägliche Ruhe und Fokus auf Blätterrauschen, Schmetterlingsgeflatter und meine durch die Dürre geretteten Pflanzen und Blümchen🥰.
Danke für die kleine Auszeit und Fantasiereise zu dir!
PS: Deine Focaccia sieht köstlich aus! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen 😉.
Ganz liebe Grüße
Sabine
Liebe Sabine,
ich stelle mir vor, wie du unter deiner Magnolie sitzt
und in Gedanken mit mir über Weinviertler Wege wanderst.
Ich wünsche dir Momente der der Stille – trotz Baustelle.
Liebe Grüße
Romy
Das Foto von den Sonnenblumen ist einfach wunderschön und das Foccacia sieht zum Anbeißen aus 🙂
Liebe Grüße
Gwendolin
Snyggis
Liebe Gwendolin,
ja du hast recht, die Sonnenblumen mit ihrem leuchtenden Gelb und den runden, freundlichen Blüten sind ein immer wieder dankbares Motiv.
Herzliche Grüße
Romy
Liebe Romy, vielen Dank für den Einblick in deinen Sonntag. Deine Focaccia sieht sehr lecker aus, muss ich auch mal versuchen. Nur werde ich wohl statt der Paradeiser Tomaten verwenden :-). Wünsche dir gute Besserung und schicke dir viele Grüße aus dem Norden. Eva
Ja im Süden ist halt alles ein wenig anders.
Liebe Grüße
Romy