12 von 12 im August 2026 – Momente aus meinem Alltag

Großes Ei, kleines Ei

Ein Tag in der Hitze. Ausgedörrte Wiesen, ausgetrocknete Bäche – und mittendrin zwei neue Eier im Nest, ein großes und ein kleines. Dazu ein Sauerteig, der blubbert, Granatäpfel, die gerade jetzt prächtig gedeihen. Zwölf Bilder, zwölf Texte von einem zwölften August im Weinviertel.

Es ist eine schöne, alte Blogger:innen-Tradition, den 12. eines Monats in zwölf Bildern zu dokumentieren. Ins Leben gerufen wurde sie von Chad Darnell, weitergetragen im Blog von  Blog von Caroline Götze.
Ab jetzt mache ich mit und halte einmal im Monat Momente meines Alltags fest – berichte, was gerade im Werden und Wachsen ist.

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In der Früh, noch vor dem Frühstück, hole ich das Rexglas aus dem Keller und schaue, was sich über Nacht getan hat. Vor ein paar Tagen habe ich mir einen Sauerteig angesetzt. Jeden Tag füttere ich ihn mit frisch gemahlenem Roggenmehl und Wasser. Nach einiger Zeit beginnt er zu blubbern. Er riecht nach vergorenem Getreide, leicht säuerlich und fruchtig. Heute Abend setze ich den Brotteig an und lasse ihn über Nacht gehen. Morgen backe ich ein erstes Roggenbrot.

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Ich mache mir ein Müsli aus Chiasamen, Hafer, Rosinen, Joghurt und Pflaumenkompott. Für die Hühner gibt es Teigwarenreste. Seit ich zwei neue Hühner habe, setze ich mich zum Frühstücken meistens unter den Kriecherlbaum und beobachte die neuen Mitbewohnerinnen und ihr Zusammenspiel mit den Alteingesessenen.
Nach vielem Hin und Her – verfolgt, gepickt – werden sie nun langsam in die Gemeinschaft aufgenommen. Meine zwei Junghühner legen seit ein paar Tagen ihre ersten Eier. Wie die Großen sind sie jeden zweiten Tag an der Reihe. So hole ich jeden Tag ein großes und ein kleines Ei aus dem Nest.

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Tagsüber ist es meist unerträglich heiß. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Ich passe meinen Tagesrhythmus an die Hitze an und verlege meine Aktivitäten in die frühen Morgenstunden. Heute drehe ich eine ausgedehnte Walkingrunde.

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Die angenehm frische Morgenbrise lässt meine Haut aufatmen. Im Wald ist es noch kühl. Ich höre die Laute der Bienenfresser. Immer wieder, wenn ich unterwegs bin – auch bei mir hinten im Garten oder auf der Obersdorfer Hauptstraße. Dann suche ich mit den Augen im Geäst oder am Himmel nach ihnen. Nur selten bekomme ich sie zu Gesicht.
Heute habe ich Glück: Ich sehe einen Schwarm am Himmel über dem Waldrand. Im August fliegen sie schon wieder zurück nach Afrika. Vielleicht sammeln sie sich schon für die große Reise.

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Zur Sandgstetten rauf führt ein steiler rutschiger Weg. Ich halte mich an Ästen und Baumstämmen am Wegrand und hangle mich nach oben. Hier hat die Hitze wüst gewütet. Dürre Blätter überall – Bäume, Sträucher – alles hängt. Sogar der Efeu am Boden hat seine grüne Farbe verloren.

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Der Aufstieg hat mich durstig gemacht. Ich setze mich auf die ausgedörrten Skelette der seit Jahren hier liegenden Reste einer Kiefer und genehmige mir einen Schluck Wasser aus der Trinkflasche. Mir zu Füßen weit unten liegt Wolkersdorf. Rote Hausdächer. In der Mitte etwas erhöht, die Kirche und der Turm mit der runden Zwiebelhaube.

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Dann geht’s abwärts über die Obersdorfer Alm. Auch hier sind die Wiesen ausgedörrt. Die Kühe werden mit getrockneter Luzerne gefüttert. Wahrscheinlich hat der Bauer die Ballen mit seinem Traktor hinaufgeführt.
Beim Weitergehen eröffnet sich der Blick hinunter in die Ebene. Autos, die sich wie winzige Kästchen in der Ferne fortbewegen. Die Windräder bewegen sich träge. Weit hinten Wien. Heute ist die Sicht klar.

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Früchte am Wegrand. Gelbe, rote, blauviolette und orangene Kriecherl. Jede Farbe kitzelt meine Geschmacksknospen auf ihre eigene Art. Wie kleine runde Pillen nehme ich sie zu mir. Süß, herb, manche noch ein wenig sauer. Dann sind die Trauben dran. Noch fast grüne, kleine gelbe, hellrote und zuletzt die dunkelblauen.

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Am Obersdorfer Dorfrand setze ich mich auf eine Bank unter dem Ahorn. Noch einen Schluck Wasser bevor ich mich auf den Heimweg mache. Die Sonne steht schon höher jetzt und langsam wird es heiß. Ich beobachte die Mufflons und sie beobachten mich.

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Anders als der Mühlbach, der über weite Strecken ausgetrocknet ist, führt der Rußbach noch Wasser. Wenigstens ein Rinnsal. Gnädig wird es bedeckt vom Grün der Wasserlinsen. Ich gehe über die Brücke und grüße von oben meinen Schatten.

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Die Granatäpfel im Vorgarten wachsen und reifen. Sie gedeihen vorzüglich. Ihnen scheint die Hitze nicht zu schaden. Im Gegenteil. Zwar habe ich noch nicht gezählt, wie viele Früchte es werden. Aber es schaut schon jetzt nach einem Rekordjahr aus.

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Den Rest des Tages werde ich im kühlen Inneren meines Häuschens verbringen. Ein Sitzkissen im Rücken, arbeite ich als Erstes an meinem 12 von 12. Ich suche mir die Fotos aus und bearbeite sie. Und dann schreibe ich die Texte. Am zwölften eines jeden Monats mache ich das. Und jedes Mal staune ich über die vielen Geschichten, die sich aus einem einzigen Tag entfalten.

6 Kommentare

  1. Wunderschöne Fotos, liebe Romy! Das Kuh-Foto erinnert mich irgendwie an eine afrikanische Steppenlandschaft … es hätte mich nicht gewundert, wenn ein paar Nomaden um die Ecke gebogen wären …
    Ich möchte mich auch mal ans Sauerteig-Brot wagen, bin schon neugierig, wie deines geworden ist. Gut, dass es bei dir im Häuschen noch kühl ist! Es stehen uns noch heiße Tage bevor.

    1. Danke Uli,
      ja das Almfoto versetzt einen in eine andere Welt.
      Afrikanische Steppenlandschaft im Weinviertel?
      Der Regen der das wieder gut machen könnte lässt noch immer auf sich warten.

  2. Hallo Romy,

    wie schön, dass Du uns mit durch Deinen Tag genommen hast.
    Die Natur sieht bei uns ähnlich trocken aus und ich komme von der Gassirunde immer ganz staubig zurück. Hoffen wir, dass bald Regen kommt.

    Aber die wirklich wichtige Frage: Wie ist das Roggenbrot geworden? 😊

    Liebe Grüße,
    Britta

    1. Liebe Britta,
      ein wenig geregnet hat es schon bei uns in der Zwischenzeit. Aber der Boden ist so sehr ausgetrocknet, dass es wahrscheinlich einige Tage lang ununterbrochen regnen müsste er wieder durchnässt wäre. Mein Roggenbrot hat eine köstlich schmeckende knusprige Kruste. Es ist ein wenig rustikal weil ich nur frisch gemahlenen Roggen verwendet habe. Das nächste mal werde ich ein wenig helles Dinkelmehl dazu geben.
      Liebe Grüße
      Romy

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